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Werwolf und Mafia: zwei Namen für ein Spiel

Wer das eine gespielt hat, hat auch das andere gespielt. Die Nacht bricht an, jemand wählt still ein Opfer, und am Morgen streitet der Tisch, wer es war. Nur die Kostüme sind andere.

Woher es kommt

Erfunden wurde das Spiel 1986 von Dmitri Dawidow, damals Psychologiestudent an der Lomonossow-Universität Moskau. Er suchte einen Weg, Gruppenverhalten unter Druck zu beobachten: wie Menschen ohne jeden Beweis Vertrauen aufbauen, wie eine Mehrheit sich in einen Irrtum hineinredet. Als Kulisse wählte er eine Stadt in der Hand der Mafia. Manche Quellen datieren die erste vollständige Partie auf 1987 — die Idee entstand 1986.

Es verbreitete sich über sowjetische Wohnheime, in den Neunzigern nach Europa, danach in die USA. 1997 gab Andrew Plotkin ihm ein neues Gewand: Werwölfe statt Gangster. Seine Begründung war schlicht — mit der Mafia konnten die meisten wenig anfangen, ein Werwolf dagegen ist genau das, worum es geht: ein Feind, der bei Tag aussieht wie alle anderen.

Was sich wirklich unterscheidet

Das Thema und die Rollennamen. Mehr nicht. Der Aufbau ist identisch: eine verborgene Minderheit handelt nachts, eine ahnungslose Mehrheit stimmt tagsüber ab, und es endet, wenn eine Seite die andere aufgebraucht hat.

Die Namen ziehen allerdings Unterschiedliches nach sich. Mafia bleibt der Noir-Logik treu — Don, Sheriff, Stadt. Werwolf stützt sich auf Folklore — Seherin, Jäger, Dorf. Einzelne Varianten bringen Rollen mit, die die andere selten kennt, aber das entscheidet die Runde, nicht der Name.

Dieselben Rollen, andere Kostüme

Bei MafiaBei WerwolfWas sie tut
MafiaWerwolfKennt die eigenen Leute und tötet nachts
DonAlphawolfFührt die Minderheit, prüft manchmal zusätzlich
SheriffSeherinÜberprüft jede Nacht einen Mitspieler
BürgerDorfbewohnerKeine Nachtaktion — nur Stimme und Votum

Wo welcher Name gilt

Die Landkarte ist erstaunlich scharf. In Russland und den Nachfolgestaaten blieb es Mafia. Japan sagt 人狼, China 狼人杀, Deutschland Werwolf, Frankreich Loup-Garou, Spanien und Lateinamerika Hombres Lobo, die Türkei Vampir Köylü. Indonesien nutzt beides. Im Englischen meint Werewolf meist die Kartenversion, Mafia die Variante, für die nichts nötig ist außer einem Kreis von Menschen.

Ändert der Name das Spiel?

Nein. Gefragt ist dieselbe Fähigkeit, die Dawidow untersuchen wollte: Menschen fast ohne Information lesen. Man hört die Pause vor der Antwort, das zu glatte Alibi, die Stimme, die eine Sekunde zu früh kommt. Ob der Mörder den Mond anheult oder einen Hut trägt, ändert daran nichts.

Deshalb treffen sich beide Namen bis heute im selben Suchfeld. Die Leute tippen „Was ist der Unterschied“ — und die ehrliche Antwort lautet: das Kostüm.